Pyramide
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Die Pyramide ist eine Bauform, meist mit quadratischer Grundfläche, die aus unterschiedlichen alten Kulturen bekannt ist, wie Ägypten, Lateinamerika, China und den Kanaren (Pyramiden von Güímar). Pyramiden wurden vorwiegend für Gebäude mit religiösem (Totenkult) und/oder zeremoniellem Charakter verwandt.
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Ursprünge
Pyramiden, auch Stufenpyramiden oder pyramidenähnliche Bauwerke wurden schon im Altertum zu unterschiedlichen Zeiten und von den verschiedensten Völkern an diversen Standorten, selbst auf verschiedenen Kontinenten erbaut, ohne dass bislang wie auch immer geartete Verbindungen speziell zwischen den verschiedenen, durch große geographische Distanz getrennten Kulturen immer sicher und zweifelsfrei nachgewiesen werden konnten. Forscher gehen heute vielmehr davon aus, dass damals weit voneinander entfernt lebende Volksstämme völlig selbständig und unabhängig diese Bauwerke errichtet haben.
Die Sonnenstrahltheorie
An nahezu allen Orten der Erde war und ist noch immer bei bestimmter Wetterlage folgendes Phänomen am Himmel zu beobachten. Wenn am Tage besonders bei überwiegend wolkebedecktem Himmel sich ein Wolkenloch aus der Sichtposition eines Betrachters in der Nähe oder am direkten optischen Sonnenstandort öffnet, so formen die nunmehr durchkommenden Sonnenstrahlen mindestens ein deutliches Dreieck, oft sogar eine räumlich erscheinende Pyramide. Deshalb ist dieses Naturphänomen auch in den Regionen der Erde gelegentlich zu beobachten, wo die geographischen und klimatischen Bedingungen eine durchgehende, regenschwere Wolkendecke sehr selten entstehen lassen.
Durch die Altertumsforschung ist hinreichend belegt, dass nicht ausschließlich aber vornehmlich eher seltene Erscheinungen am Tages- oder Nachthimmel die Menschen damals besonders beeindruckt hatten und von ihnen auch gerne als göttliche Zeichen gedeutet wurden. Nach Kurt Mendelssohn [1], der sich hierbei auf Stephen Edwards bezieht[2], wie auch Patricia Blackwell Gary und Richard Talcott[3] ist es daher durchaus vorstellbar, dass frühere Betrachter an den verschiedensten Standorten unabhängig voneinander eine solche strahlende Wolkenöffnung als ein göttliches Zeichen interpretierten und die von dieser Öffnung sich durch die Sonnenstrahlen ergebende Form in erstrebter Annäherung an das Göttliche auch nachzubauen versuchten. Auch die Tatsache, dass beispielsweise im alten Ägypten die Pyramiden als Himmelstreppe zum Göttlichen geschaffen wurden, die es einem verstorbenen Pharao ermöglichen sollte, zu seinem wahren Vater, dem Sonnengott, zu gelangen, könnte zumindest in diese Richtung weisen.
Sozialschichtungsabbildtheorie
Im Bereich der Ägyptologie ist hinsichtlich des ursprünglichen Gedankens zur Errichtung der Pyramiden die Theorie entwickelt worden, dass besonders die Form der Stufenpyramide die altägyptische Sozialstruktur mit ihrer Hierarchie abgebildet werden sollte. Selbstverständlich kann diese Theorie über Ägypten hinaus auch eine weltweite Geltung bei allen anderen Kulturen beanspruchen, die ebenfalls Pyramiden oder pyramidenähnliche Bauten errichtet hatten.
Architekturentwicklungstheorie
Als weitere Variante kommt auch der wiederum in der Ägyptologie entwickelten These eine kulturübergreifende, weltweite Bedeutung zu, nach der Pyramiden lediglich eine konsequente architektonisch - bautechnische Weiterentwicklung darstellen, in Ägypten ausgehend von rechteckigen Grabhügeln aus Sand in vorgeschichtlicher Zeit, später mit Mastabas und nachfolgend Stufenpyramiden als Zwischenstufen. Für andere Kulturen ist als Ausgangspunkt einer derartigen Entwicklung genau so gut statt eines Grabhügels auch ein Kulthügel annehmbar.
Ägypten
Die Grabstätten vieler ägyptischer Regenten (Pharaonen) des Alten Reiches (ca. 2680 bis 2180 v. Chr.) und Teile ihres Hofstaates sind Pyramiden. Diese Pharaonen werden deshalb auch als Pyramidenbauer bezeichnet.
Die Entwicklung der ägyptischen Pyramiden begann mit so genannten Mastabas, zunächst einstufigen, also flachen Bauten aus Lehm ziegeln. Auf diese wurden dann später weitere Stufen aus Lehmziegeln aufgesetzt, so dass in der 3. Dynastie Stufenpyramiden entstanden. Es wurde jedoch nur Djosers Stufenpyramide in Saqqara fertiggestellt, während zwei weitere Stufenpyramiden (die Sechemchet-Pyramide und die des Chaba) dieser Dynastie unfertig blieben. Doch Pharao Snofru präsentierte relativ schnell, in nur wenigen Jahren drei riesige, ausgereifte Pyramiden (Meidum, Knick- und Nordpyramide Dashur), welche zusammen mit den drei Pyramiden von Gizeh etwa 3/4 der Gesamtmasse aller ägyptischen Pyramiden ausmachen, und dies schon innerhalb der ersten 100 Jahre der ca. 2700 Jahre währenden Pyramidenzeit.
Die Komplexität des Pyramidenbaus, ihre künstlerische Ausgestaltung, ihre Neigungswinkel, und die Ausführung der Grabkammern variiert über die Dynastien hinweg stark.
Insgesamt gibt es in Ägypten ungefähr 80 bekannte Pyramiden.
Die größte ist die Cheops-Pyramide bei Gizeh. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Chephren- und die Mykerinos-Pyramide sowie kleinere, sogenannte Nebenpyramiden. Alle Pyramiden des Gizeh-Plateaus wurden während der 4. Dynastie (2630 – 2525 v. Chr.) errichtet.
Bedeutung der Pyramide
Die Pyramiden dienten im alten Ägypten als Begräbnisstätte der Pharaonen. Die Wände im Inneren dieser Bauwerke waren bis einschließlich in die 4. Dynastie undekoriert. Erst seit der 5. Dynastie finden sich in den Grabkammern die sogenannten Pyramidentexte. Um in so einem Grab an die Grabräume zu gelangen, musste man in den Pyramiden durch einen langen Tunnel gehen. Zum Schutz vor Grabräubern lag der Eingang zu diesem Tunnel versteckt und war sorgfältig versperrt.
Von der ca. 60 m hohen Stufenpyramide des Djoser (Altes Reich) ist in der Ägyptologie bekannt, dass sie damals für die alten Ägypter eine große religiöse Bedeutung hatte. In ihrer Mythologie stieg einst der Sonnengott Re von einem Berg herab, um die Menschen zu erschaffen. Diesen Berg sollte die Pyramide nachformen, unter welcher der Pharao nach seinem Tode begraben wird. Durch die Konstruktion der Stufenpyramide realisierte man eine riesige Steintreppe zum Himmel empor, die es dem verstorbenen Pharao ermöglichen sollte, zu seinem wahren Vater, dem Sonnengott, zu gelangen. Dort würde ihn dann die Unsterblichkeit erwarten, die sonst nur den Göttern vorbehalten war. Die Pyramide schuf also eine Verbindung zwischen Menschen und Göttern und ließ damit den Pharao letztlich auch diese Unsterblichkeit erlangen.
Bauweise der ägyptischen Pyramiden
Im Genauen sind keine exakten Daten und Baumethoden überliefert. So gibt es unterschiedliche Theorien über den Bau der Pyramiden. Bisher konnte jedoch keine davon vollständig bewiesen werden. Die meisten Texte zur Bauweise der Pyramiden beruhen auf Überlieferungen, Studien, Versuchen und Schätzungen, die alle auf eine verschiedene Art und Weise die möglichen Bautechniken der Ägypter darlegen.
An den Wänden der Grabkammer des Baumeisters Senedjemib ist uns die Tatsache überliefert, dass er die Pläne für die Pyramiden und Palastanlage des Königs Djedkare-Isesi (5. Dynastie) entworfen und auch ausgeführt hat. Ein paar Generationen später erzählt uns die Grabschrift des Expeditionsleiters Uni, dass jener aus Steinbrüchen Ostägyptens Baumaterial für Pyramiden und Tempel des Königs Merenre I. (6. Dynastie) nach Saqqara transportierte, jedoch ohne jegliche Erklärung, wie dies geschah.
Die Baupläne wurden in Stein oder Papyrus gemalt und waren auf die leichtesten Grundlagen der Mathematik aufgebaut. Den Ägyptern gelang es auch, das Volumen aller erdenklichen dreidimensionalen Körper auszurechnen und sie nach Gewicht und Größe zu bestimmen.
Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet von Maschinen die „aus kurzen Holzblöcken hergestellt wurden“, über die bis heute spekuliert wird, vom Kran bis zum Flaschenzug sind alle Thesen vertreten.
Arbeitskräfte
An dem Bau einer Pyramide waren mehrere tausend Arbeiter beschäftigt. So berichtet Herodot auch: Cheops, zwang alle Untertanen, beim Pyramidenbau zu helfen. Es arbeiteten je zehnmal 10.000 Mann drei Monate hindurch und das 20 lange Jahre – demnach im Frondienst nahe der Sklaverei, was allerdings nach heutigen Nachforschungen logistisch unmöglich erscheint. Es ist dagegen ziemlich sicher, dass in den Steinbrüchen und an der Pyramide „nur“ rund 8.000 Arbeiter beschäftigt waren.
Die Arbeiter waren keine Sklaven, wie früher vermutet wurde, sondern freie Bürger. Allgemein nehmen Ägyptologen an, dass während der Überschwemmungszeit an den Pyramiden gebaut wurde. Während die Arbeit auf den Feldern ruhen musste, wurde die Arbeitskraft in staatlichen Projekten gebunden. Möglich ist aber auch, dass Menschen sich aus freien Stücken für die Arbeiten meldeten und die Teilnahme als Ehre empfanden.
Vermessung
Eine Pyramide steht auf einer genau aus nivellierten Fläche, deren horizontale Abweichung nicht größer als ein paar Zentimeter ist. Dazu wurde das Land zuerst planiert, hierauf wurden Gräben ausgehoben, die nach ihrer Fertigstellung mit Wasser ausgefüllt wurden. Das Wasser ermöglichte die Aus nivellierung der Basisfläche. Um das Bauwerk gegen Verschiebungen zu sichern, wurden die Ecksteine vertieft und die Fundamentsteine um zwei bis drei Grad nach innen geneigt. Die Eckpunkte der Pyramiden wurden sehr genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet, wozu sich die alten Ägypter der Sternbeobachtung bedienten. Wahrscheinlich wurde der Auf- und Untergang eines bestimmten Gestirns auf einer die Pyramide kreisförmig umgebenden Mauer beobachtet. Der Hauptgang zur Grabkammer führte im gleichen Winkel wie der zu nivellierende Stern in die Pyramide.
Begriffserklärung
Pyramide (griechisch: πύρ = (pýr) Feuer + μέσο/μέση = (méso/mése) Mitte - "Feuer [Als Synonym für Energie?] im Zentrum")
Bedeutung des Begriff's
- 1) geometrischer Körper, der von einem Vieleck als Grundfläche und von sich in einer Spitze treffenden Dreiecken begrenzt wird
- 2) Grab- oder Tempelbau in Form einer Pyramide mit rechteckiger Grundfläche
- 3) sich drehenden Weihnachtsdekoration aus dem Erzgebirge (Weihnachtspyramide)
Trivia
- "Alles fürchtet sich vor der Zeit, aber die Zeit fürchtet sich vor den Pyramiden." -Sprichwort aus Ägypten
- Der Haupteingang des Musée du Louvre ist eine Glaspyramide
- Die Spitze des Frankfurter MesseTurms ziert eine Pyramide
- Die Pyramide gilt auch als das Zeichen der Illuminaten
- Auf der Rückseite des Amerikanischen Ein-Dollar-Scheins ist eine Pyramide mit dem allsehenden Auge abgebildet.
Quellen
- ↑ K. Mendelssohn: Das Rätsel der Pyramide. Bechtermünz, Augsburg 1996. ISBN 3-86047-216-X
- ↑ I. E. S. Edwards: The Pyramids of Egypt. Penguin Books, London 1986. ISBN 9780140136340
- ↑ Patricia Blackwell, Gary and Richard Talcott: Stargazing in Ancient Egypt. in: Astronomy. Milwaukee Wis Juni 2006, S.62-67.
Weblinks
Siehe auch
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