Arndt von Bohlen und Halbach
Aus Offenbarung 23 - wikiBeta
Arndt von Bohlen und Halbach (* 24. Januar 1938 in Berlin-Charlottenburg; † 8. Mai 1986 in München) war ein deutscher Unternehmersohn und der letzte Spross der Krupp-Dynastie.
Leben
Bis zu seinem 28. Lebensjahr ist Arndt von Bohlen und Halbach als künftiger Erbe der väterlichen Firma Krupp in Erscheinung getreten und gehörte zu den Stahlbaronen des Ruhrgebietes. Er wuchs im Zweiten Weltkrieg unter der Obhut seiner Mutter Anneliese von Bohlen und Halbach auf und besuchte zu seiner schulischen Ausbildung verschiedene Internate in Bayern und der Schweiz, anschließend studierte er in Freiburg im Breisgau und München Volks- und Betriebswirtschaft sowie Jura, begleitet durch verschiedene Praktika in unterschiedlichen Bereichen der väterlichen Firma Krupp. Dies sollte die Grundlage dafür sein, das Erbe gut vorbereitet als Unternehmer und Alleininhaber antreten zu können.
Mitte der 1960er Jahre befanden sich Deutschland und die Welt in einer Phase wirtschaftlichen Rezession, die auch und vor allem vor der Montanindustrie nicht halt machte und seinen Vater Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in große Schwierigkeiten brachte. Dazu kamen bei Fried. Krupp noch ganz spezielle Unwägbarkeiten finanzieller Art durch den von Berthold Beitz begonnenen Osthandel, der die Firma in finanzielle Probleme steuerte indem Zahlungen ausblieben oder erheblich verzögert für Leistungen erbracht wurden. Die Zukunft der Firma stand auf dem Spiel und Alfried Krupp, unterstützt durch seinen Generalbevollmächtigten Berthold Beitz, begann sich Gedanken um die Zukunft der Firma Krupp zu machen, was die künftige Form und Gestaltung betraf. Ein Bankenkonsortium, angeführt durch den Sprecher der Deutschen Bank, Hermann Josef Abs, verweigerte Kredite, es kam unter der Voraussetzung das Krupp in eine Aktiengesellschaft umgewandelt würde (statt bisher als ein Einzelunternehmen) zu einer Bundesbürgschaft, welche in der Folgezeit jedoch nicht in Anspruch genommen werden musste bzw. die anteilig schnellstens zurückgezahlt wurde. Bedingung war und Folge davon blieb jedoch, das Alfried Krupp von Bohlen und Halbach aus dem Unternehmen ausschied, für ihn persönlich dazu noch unter unwürdigen Umständen.
Alfried Krupps Sohn Arndt von Bohlen und Halbach kommt nun ebenfalls ins Spiel. Bislang war er, der Unternehmenstradition folgend, als Nachfolger und Alleinerbe vorgesehen, dies ist auch durch verschiedenen Testamente und Urkunden belegt. Zwischen 1962 und 1966 ist es offenbar aber zu einer Veränderung des väterliches Willens gekommen, auch in Zusammenhang mit der Entwicklung der Firma Krupp. In mehreren Anläufen versuchte Beitz, den künftigen Erben zum Verzicht zu bewegen, was erst am 12.09.1966 gelang. Durch seinen Erbverzicht im September 1966 wurde Arndt von Bohlen und Halbach selbst nicht mehr Inhaber der Firma Friedrich Krupp. Daher konnte er auch nicht mehr den Familiennamen „Krupp“, welcher dem jeweiligen Alleinunternehmer vorbehalten war, seinem Namen voranstellen. Dieses Vorrecht stammte von Kaiser Wilhelm II. aus dem Jahre 1906 und wurde 1943 von der Reichsregierung anlässlich der Rückumwandlung der Krupp AG in ein Einzelunternehmen erneuert (Lex Krupp).
Dies bedeutete in Zahlen, dass Arndt von Bohlen auf ein Erbe von - je nach Erbform - 2,5 Milliarden bzw. 3,5 Milliarden DM verzichtete, zugunsten einer garantierten jährlichen Zahlung von mindestens 2 Millionen DM, welche sich aus einer Förderrente der Krupp-Zechen Rossenray und Rheinberg einerseits sowie einer garantierten jeweiligen Million aus dem Krupp-Konzern selber zusammensetzte, welche jedoch in einem komplizierten Steuerverfahren ob ihres reduzierten Steuersatzes langwierig prozessiert wurde. Arndt von Bohlen hat seinen Erbverzicht jedoch teuer bezahlt, denn sowohl der Erlös welchen er aus seinem Verzicht erzielte als auch die ungeklärte Frage der Steuerpflicht, dazu die Tatsache das die Zahlungen an seine Person gebunden waren, haben es ihm nach eigener Aussage sein Leben lang nicht ermöglicht, langfristig zu planen und auch Vorsorge zu treffen. Auch haben die ausserordentlich kostspieligen Liegenschaften in Tirol, Marrakesch, Palm Beach dazu geführt, das er in eine finanzielle Lage kam, die einer Zahlungsunfähigkeit gegen Ende seines Lebens gleichkam. Nach seinem Tod 1986 musste ein Konkursverfahren eröffnet werden, um seiner Witwe rechtliche Klarheit zu bringen, denn bis zu seinem Tod konnten sich Finanzbehörden und verschiedenen Gerichte nicht einigen, ob und wenn ja wie hoch der zu zahlende Steuersatz auf Arndts Einkünfte sein sollte. Interessant dabei ist die Tatsache das beide Auffassungen paralel existierten, aber immer der ungünstige Part angewendet wurde. Den Steuerrechtsstreit beendete letztlich der Verfassungsrichter Roman Herzog 1989 in einem Vergleich zur eingereichten Verfassungsbeschwerde, welchen Arndts Witwe Henriette von Bohlen und Halbach akzeptierte, obwohl Aussicht auf Erfolg des Klagebegehrens bestand. Dazu kamen Liegenschaften in Marokko sowie Tirol und Kunstschätze.
Am 14. Februar 1969 heiratete er auf dem familieneigenen Jagdschloss Blühnbach bei Werfen im Salzburger Land Prinzessin Henriette von Auersperg, die Tochter von Alois von Auersperg und Henriette Larisch von Möennich. Die Ehe blieb kinderlos.
Die gemeinnützige „Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung“ ist das Vermächtnis von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Dank Arndts Erbverzicht ging sein gesamtes Vermögen auf die von ihm errichtete Stiftung über, die ihre Tätigkeit am 1. Januar 1968 aufnahm und philantrophischen Aspekten gewidmet ist.
Arndt, offenkundig homosexuell, lebte von seiner Abfindung und der Apanage ein Party- und Jetset-Leben zwischen Palm Beach und Marrakesch. Er war ein feinsinniger, jedoch zutiefst einsamer Mensch, dessen öffentliche Auftritte nicht dem entsprachen, was er oft im Stillen war, nämlich ein großzügiger Spender für die Armen in Thailand und auf den Philippinen und im späteren Leben ein tiefgläubiger konvertierter Katholik. Im Alter von 48 Jahren starb Arndt von Bohlen und Halbach am 8. Mai 1986 in München-Großhadern an Mundbodenkrebs. Er wurde danach in der Kapelle von Schloß Blühnbach, seinem liebsten Refugium, beerdigt.
Weblinks
- http://de.wikipedia.org/wiki/Arndt_von_Bohlen_und_Halbach
- http://de.wikipedia.org/wiki/Alfried_Krupp_von_Bohlen_und_Halbach
- http://de.wikipedia.org/wiki/Harald_von_Bohlen_und_Halbach
- http://de.wikipedia.org/wiki/Krupp
- http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Krupp_AG
- http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Krupp
- http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Krupp
Siehe auch
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Arndt_von_Bohlen_und_Halbach aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
