Allsehendes Auge

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Christliches Auge der Vorsehung, durch das die Trinität repräsentierende Dreieck hervorgehoben.
Christliches Auge der Vorsehung, durch das die Trinität repräsentierende Dreieck hervorgehoben.

Das Auge der Vorsehung (auch Allsehendes Auge, Auge Gottes) ist ein Symbol, welches gewöhnlich als das alle Geheimnisse durchdringende Allsehende Auge Gottes interpretiert wird und den Menschen an die ewige Wachsamkeit Gottes mahnen soll.

Dargestellt wird es als ein von einem Strahlenkranz umgebenen Auge und ist meist von einem Dreieck umschlossen. Dieses Dreieck schließt auch die Aspekte mit ein, die der Zahl Drei nachgesagt werden.

Inhaltsverzeichnis

Symbolik

Das Auge als Organ der sinnlichen Wahrnehmung ist das Sinnbild des Lichts, der Sonne und des Geistes. Es symbolisiert als Instrument des seelisch-geistigen Ausdrucks die geistige Schau und ist der Spiegel der Seele. Das rechte Auge steht für Aktivität, die Zukunft und die Sonne, das linke für Passivität, Vergangenheit und den Mond.

Ursprung

Horusauge
Horusauge

In der frühen ägyptischen Mythologie symbolisiert das Udjat-Auge (auch Falken-Auge) die Sonnengottheit Horus. Es ruht auf einem Krummstab ähnlichen Zepter (Symbol der Herrschergewalt) und steht für Allwissenheit und Weitsicht. Das Horus-Auge als Amulett sollte Unverletzbarkeit und ewige Fruchtbarkeit verleihen.


Zurvanismus

Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus setzte man im Zurvanismus über die beiden Götter des dualistischen Zoroastrismus, einen dritten, allmächtigen Gott: Zurvan akarano war Gott von Zeit und Raum und der Vater von Ahura Mazda, dem Gott der Weisheit und von Ahriman, dem Gott des Bösen. Zurvan wurde durch das sogenannte „Auge der Vorhersehung“ in einem Dreieck symbolisiert, welches die dreigestaltige Zeit in Form von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bzw. des Wachstums, der Fruchtbarkeit und das Altern visualisiert.

Christentum

Allsehendes Auge am Aachener Dom.
Allsehendes Auge am Aachener Dom.

Auch in der Bibel erscheint das Auge als Symbol der Wachsamkeit, Allwissenheit und behütenden Allgegenwart Gottes. Augen auf den Flügeln der Seraphim und Cherubim deuten auf deren durchdringende Erkenntnisfähigkeit.

In seiner heutigen Form erschien das „Auge der Vorsehung“ erst in der christlichen Ikonographie in der Zeit des Barock. Illustrationen aus dem 17. Jahrhundert zeigen es manchmal von Wolken umgeben.

Stilbildend für dieses Symbol waren die diversen Illustrationen zu den ersten Gesamtausgaben des Werkes des Mystikers Jakob Böhme in Holland, Deutschland und England in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die nachweislich früheste Darstellung des Auges Gottes in einem Dreieck findet sich auf einer Medaille von Charles II. von England aus dem Jahre 1660. Auch hier vermuten Autoren wie Christoph Geissmar, dass die Entstehung dieser Medaille mit der Übertragung der Schriften Jakob Böhmes ins Englische zusammen hängen könnte.


„1677 begegnet das Auge Gottes im Dreieck mit Wolkenring sodann in der Bekrönung des Hl. Kreuzaltars der nördlichen Kreuzkapelle des Klosters Springborn (Bildhauer Joh. Schmitt) in Rößel (Polen); 1683 auf der deutschen (österreichischen) Medaille auf die erste Beleagerung Wiens; 1690 wiederum auf einer englischen Medaille König Wilhelms III. (1689-1702). In der Folge ist das Auge Gottes mit und ohne Dreieck sozusagen allgegenwärtig“[1]


Das Auge in einem umschließenden Dreieck ist der Versuch, die göttliche Dreifaltigkeit bildlich darzustellen und symbolisiert hierbei das väterlich wachende „Allsehende Auge Gottes“. In der christlichen Pädagogik wurde daraus der Satz „Es gibt ein Aug’, das alles sieht, wenn’s auch in dunkler Nacht geschieht.“ und so v.a. der väterlich-richterliche Aspekt des Symbols betont.

Besonders in der von Josef Kentenich gegruendeten katholischen Schönstatt-Bewegung ist das dort als „Vaterauge“ bezeichnete Auge der Vorsehung ein häufig gebrauchtes Symbol und ist in sämtlichen weltweit verteilten Schönstatt-Kapellchen montiert. Viele Schönstatt-mtglieder tragen ein kleines „Vaterauge“ am Revert, im fuer Schönstatt typischen „Hausheiligtum“ (eine Art Herrgottswinkel oder „Familienaltar“) soll laut dem Schönstattgruender Kentenich das Vaterauge nicht fehlen

Nach dem „Auge Gottes“ wurde auch die Kapelle „Auge Gottes“ im Siebengebirge benannt. In München (Giesing) befindet sich ein ehemaliges Kloster, das ein überdimensionales Auge über dem Portal zeigt.

Zusätzlich zu der christlichen Deutung des Symbols, gibt es auch Versuche eine Synthese christlicher und kabbalistischer Vorstellungen in der trinitarischen Gottheit darzustellen, wie zum Beispiel auf der Lehrtafel der Prinzessin Antonia in der Dreifaltigkeitskirche zu Bad Teinach.

Freimaurerei

Frühe Version des Allsehenden Auges der Freimaurer mit Wolken und halbem Strahlenkranz.
Frühe Version des Allsehenden Auges der Freimaurer mit Wolken und halbem Strahlenkranz.

Das Auge der Vorsehung erscheint auch als Teil der Freimaurersymbolik. In vielen Logen leuchtet es im „Osten“ über dem Stuhl des Logenmeisters und spielt vielfach im Meistergrad eine Rolle. Häufig hat das freimaurerische Auge der Vorsehung einen halben Strahlenkranz unterhalb des Auges – oftmals sind die untersten Strahlen dabei nach unten verlängert.

Das offene Auge symbolisiert die sich stets enthüllende Wahrheit, fordert zu Weisheit auf und appelliert an das Gewissen. Es repräsentiert das Prinzip des Guten, welches das Böse stellt, um es zu besiegen. Häufig ist das Auge von einem Dreieck umschlossen. Es ist das Zeichen des Feuers und der aufklärenden Wissenschaft und dient der Messung der größten Distanzen. Dabei wird es hier als Bezug zur freimaurerischen Zahl drei in der Numerologie verstanden.

Andere Variationen zeigen das Symbol, dessen Auge durch den Buchstaben „G“ ersetzt wurde und den Allmächtigen (Großen) Baumeister aller Welten (engl.: Grand Architect) repräsentiert.

Es ist ein allgemeines Missverständnis, dass das Auge der Vorsehung mit der unfertigen Pyramide den Einfluss der Freimaurerei in die Gründung der USA belegt. Obwohl der Freimaurer Benjamin Franklin eines der Mitglieder des Komitees war, welches das Siegel der Vereinigten Staaten entwarf, war er nicht für die Gestaltung und die Einführung dieses Symbols verantwortlich.

Die erste offizielle freimaurerische Erwähnung auf das Auge der Vorsehung erfolgte 1797 in The Freemasons Monitor von Thomas Smith Webb, einige Jahre nachdem das Siegel entworfen wurde. Die freimaurerische Verwendung des Auges beinhaltet keine Pyramide, obwohl das umschließende Dreieck oft als solches fehlinterpretiert wird, selbst von Freimaurern.

Illuminatenorden

Heutige Verschwörungstheoretiker bringen das Symbol mit Geheimgesellschaften in Verbindung, speziell mit dem 1776 vom Ingolstädter Professor Adam Weishaupt gegründeten bayerischen Illuminatenorden.

Einen Zusammenhang zwischen dem Siegel der Vereinigten Staaten und den Illuminaten lässt sich nicht nachweisen. Bis zu ihrem Verbot 1784 durch den bayerischen Kurfürst Karl Theodor umfasste der Illuminatenorden maximal 2500 Mitglieder und rekrutierte diese meistens aus deutschen Freimaurerlogen. Viele wurden verhaftet, alles unter dem Vorwand, sie wären „notorische Freidenker“. Unter dem Freimaurer Johann Joachim Christoph Bode fand 1785 die Ordenstätigkeit in der Weimarer Minervalkirche ihr Ende.

Allsehendes Auge auf der 1 Dollarnote
Allsehendes Auge auf der 1 Dollarnote

USA

1782 wurde das Auge der Vorsehung Teil der Symbolik auf der Rückseite des Siegels der USA und wurde vom ursprünglichen Designkomitee von 1776 vorgestellt. Die Idee der Verwendung des Allsehenden Auges (noch ohne Dreieck, nur mit Strahlen) geht auf einen Vorschlag des künstlerischen Beraters Pierre Eugène du Simitière zurück. Die Pyramide (ohne das Allsehende Auge) stammt von Francis Hopkinson, der diese 1778 ursprünglich für einen 50-Dollar-Schein entwarf, der zu jener Zeit offiziell im Umlauf war. William Barton schmolz schließlich 1782 diese beiden Symbole zum Auge der Vorsehung über der Pyramide zusammen.

Das Wappen wird auf offiziellen Dokumenten der USA verwendet. Ebenfalls befindet sich das Auge der Vorsehung auf der Rückseite jeder 1-Dollar-Note.

Literatur

Geissmar, Christoph: "Das Auge Gottes - Bilder zu Jakob Böhme", Wiesbaden, 1993

Stuhlfauth, Georg: "Das Dreieck - Die Geschichte eines religiösen Symbols", Stuttgart, 1937


Quellen

  1. Georg Stuhlfauth: „Das Dreieck - Die Geschichte eines religiösen Symbols“, S. 26f.


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